Oldenburger Forschung

Band 22

50 Jahre am Oldenburger Hof

Adam Ernst Rochus v. Witzleben (1791-1868), der Sohn des oldenburgischen Kammerherrn und Schlosshauptmanns Rochus Friedrich Otto v. Witzleben, verlebte seine Kindheit in Eutin, später in Plön. Hier amtierte sein Vater als Hofchef, in Wirklichkeit als Aufseher des psychisch kranken und regierungsunfähigen Herzogs Peter Friedrich Wilhelm v. Holstein-Oldenburg.

Bis zu seinem 19. Lebensjahr galt Adam Ernst Rochus v. Witzleben als zukünftiger Erbe der Familiengüter Hude und Elmeloh, die der ältere Bruder des Vaters bewirtschaftete. Mit der späten Geburt eines Sohnes auf Hude veränderte sich der Lebensplan des Knaben.

Nach der Teilnahme als freiwilliger Offizier an den Feldzügen gegen Frankreich 1813 und 1815, zuerst in der Russisch-deutschen Legion, dann im oldenburgischen Infanterie-Regiment, erlangte Rochus von Witzleben bald und zwar in der höfischen Funktion als Kammerjunker, eine besondere Vertrauensstellung bei Herzog Peter Friedrich Ludwig. Er dient diesem als Reisebegleiter, ohne dass ihm die formelle Funktion eines Reisemarschalls übertragen wurde. Auch dem Regierungsnachfolger Großherzog Paul Friedrich August diente Rochus v. Witzleben bis zu dessen Tod als Kammerherr und Oberstallmeister und begleitete diesen auf zahlreichen Reisen. Die plastischen und farbigen Mitteilungen des Verfassers über die Pseudo-Hofhaltung des kranken Herzogs Peter Friedrich Wilhelm in Plön und von seinen Erlebnissen am Oldenburger Hof verdienen, auch wenn sie naturgemäß nicht von ausgeprägter Kritik geleitet sind, wegen ihrer Authentizität und nicht zuletzt auch wegen ihres gelassenen Humors die Aufmerksamkeit des Lesers. Die Erinnerungen des Hofbeamten Rochus v. Witzleben sind es jedenfalls wert, bei der künftigen Geschichtsschreibung über das 19. Jahrhundert in Oldenburg beachtet zu werden.