Schloss-Vortrag: Die reformatorischen Wurzeln der Aufklärung
Von Lars Laue – Quelle: NWZOnline
Das Thema: Schloss-Vortrag
Im Interview: Prof. Dr. Albrecht Beutel (59)
Zur Person: Prof. Dr. Albrecht Beutel ist Professor für Kirchengeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er spricht am Mittwoch, 16. März, um 20 Uhr im Schlosssaal in Oldenburg über das Thema „Die reformatorischen Wurzeln der Aufklärung“.
Frage: Herr Professor Beutel, der Protestantismus startet ins Jubeljahr der Reformation. Wie muss man sich die historischen Anfänge vor 500 Jahren vorstellen?
Beutel: Der Jubel stand bereits am Anfang – dankbarer Jubel über die befreiende Botschaft der Bibel, welche die Reformatoren in Wittenberg und Zürich wieder quellfrisch zu hören vermochten. Gleichwohl waren die Anfänge naturgemäß sehr bescheiden, brachten dann aber durch getreuliche Evangeliumspredigt innerhalb weniger Jahre in weiten Teilen Deutschlands und Europas die reformatorische Bewegung in Gang.
Frage: Der Titel Ihres Vortrags verknüpft Gegensätze: Reformation bedeutet Abwendung vom Mittelalter, von der katholischen Kirche, ist also kirchenkritisch. Aufklärung setzt auf selbstständige Urteilsbildung und ist damit religionskritisch. Was ist die Intention Ihrer Synthese?
Beutel: Kritik bedeutet nicht Ablehnung, sondern Sichtung und Bewertung aufgrund unparteilich differenzierender Prüfung. Deshalb wollten die Reformatoren die Kirche nicht abschaffen, sondern verbessern, und die Aufklärung lehnte den Glauben nicht ab, sondern erstrebte eine zeitgemäße Versöhnung von Religion und Kultur. Inwiefern die deutschen Aufklärer dabei reformatorische Basisimpulse aufgegriffen und aktualisierend umgesetzt haben, ist eine äußerst spannende Frage.
Frage: Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft. In der gegenwärtigen Auseinandersetzung werden immer wieder die gemeinsamen Werte in unserem Land beschworen. Was könnte hier ein aufgeklärter Protestantismus einbringen?
Beutel: Ein aufgeklärter Protestantismus wird die Helden seiner Geschichte nicht unkritisch verklären, sondern sich von ihnen zu eigener traditions- und gegenwartskritischer Weltgestaltung ermuntern lassen.
Hinweis: Prof. Dr. Albrecht Beutel spricht am Mittwoch, 16. März, um 20 Uhr im Schlosssaal in Oldenburg auf Einladung des Oldenburger Landesvereins für Geschichte, Natur- und Heimatkunde.