
Fast zehn Jahre Forschung: Neues Buch über Dr. Franz Joseph Jacobi
Vechta, 22.5. – Fast zehn Jahre hatte Peter Sieve, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Offizialatsarchiv Vechta, an dem Buch gearbeitet. In seiner Freizeit hatte er für die Aufarbeitung der Geschichte des 1816 verstorbenen Dr. Franz Joseph Jacobi Archive in Oldenburg, Osnabrück, Münster, Dinklage und Vechta aufgesucht. Herausgekommen ist eine detaillierte und höchst lebendige Lebensbeschreibung des 1734 in Polen als Sohn jüdischer Eltern geborenen und später zum Christentum übergetretenen Jacobi.
Seit einem Volontariat in Israel im Jahr 1987, bei dem er im sozialen Dienst viele Juden aus Deutschland, Polen, dem Jemen, Marokko und Indien kennenlernen durfte, fasziniere ihn die Kultur des Judentums, erklärt Sieve. Daher habe ihn Jacobis Geschichte sehr gereizt, als sie ihm das erste Mal begegnete. Obwohl Jacobi vier Jahrzehnte lang die Hauptverantwortung für die ärztliche Versorgung des Amtes Vechta getragen habe und insofern der direkte Amtsvorgänger des heutigen Leiters des Gesundheitsamtes gewesen sei, und obwohl er durch eine Stiftung die Schulbildung der Kinder in Dinklage und in Quakenbrück erheblich gefördert habe, habe Sieve kaum Spuren von ihm in der Geschichtsschreibung des Oldenburger Münsterlandes gefunden.
Ungewöhnlich an Jacobi war auch, dass er 1785 Theresia von Schilling heiratete. Die Ehe einer Adelstochter mit einem Beamten war damals schon eine Ausnahme – in diesem Fall kam jedoch noch hinzu, dass der Bräutigam ein getaufter Jude war. Einer der wertvollsten Funde bei den Archivrecherchen war ein eigenhändiger Bericht Jacobis in lateinischer Sprache über die Umstände seiner Konversion vom Judentum zum katholischen Glauben, erklärt Sieve.
Jacobis Vater, ein armer jüdischer Schriftgelehrter, war mit dem Sohn nach Deutschland gezogen, um seinen Unterhalt als Lehrer in jüdischen Gemeinden zu verdienen. Über Potsdam kam der Sohn nach Amsterdam und Münster. Nach dem Siebenjährigen Krieg studierte Jacobi ab 1765 in Groningen und Wien Medizin. 1771 legte er an der Universität Erlangen seine Dissertation über Hautkrankheiten ab.
Über Kontakte zur Familie von Galen, die ihn auch finanziell unterstützte, erhielt Jacobi 1771 die Stelle eines Amtsphysicus beziehungsweise Amtsmedicus in Vechta. Zu dieser Zeit war er als einziger akademisch gebildeter Mediziner im gesamten Amt Vechta für eine Bevölkerung von rund 22.000 Menschen zuständig und damit einer der wichtigsten landesherrlichen Beamten. Mediziner waren damals allerdings nur für innere Krankheiten zuständig. Um äußere Verletzungen, Aderlässe, Zahnziehen und Ähnliches kümmerten sich handwerklich ausgebildete Wundärzte (Chirurgen).
Zu den Hauptaufgaben Jacobis gehörten die Behandlung von Kranken, die Tätigkeit als Gerichtsmediziner, die Oberaufsicht über die Apotheke in Vechta, die Berichterstattung für das Medizinalkollegium in Münster sowie die Bekämpfung von Epidemien. Besonders schlimm waren zyklisch wiederkehrende Pockenepidemien, an denen beispielsweise in Vechta im Jahr 1780 innerhalb weniger Wochen 24 Kinder starben.
Buchangaben:
Peter Sieve: „Dr. Franz Joseph Jacobi – ein Amtsmedicus jüdischer Herkunft im Fürstbistum Münster“, Band 29 der Reihe „Oldenburger Forschungen“, Isensee Verlag, Oldenburg. 160 Seiten, 35 Abbildungen, Preis: 16 Euro.
Ludger Heuer
Quelle: Offizialat Oldenburg