Offizialatsarchivar stellte seine Forschungsergebnisse über den Vechtaer Arzt Dr. Jacobi aus dem 18. Jahrhundert vor
Von Evelyn Vajen

Gelungene Buchpremiere: Peter Sieve (rechts) präsentiert seine Forschungsergebnisse. Begleitet wurde er von Egbert Koolmann, verantwortlich für die Redaktion des Buches (links), und Reinhard Rittner, Vorsitzender des Oldenburger Landesvereins. Foto: Vajen
Vechta. Wer war eigentlich der Mann mit dem Namen Dr. Franz Joseph Jacobi, der 1734 in Polen als Jude geboren wurde, 1756 in Münster zum katholischen Glauben übertrat und als studierter Arzt von 1772 an die Hauptverantwortung für die medizinische Versorgung in Vechta trug?
Peter Sieve, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Offizialatsarchiv Vechta, wollte es genauer wissen und ist der Lebensgeschichte des Dr. Jacobi nachgegangen. Fast zehn Jahre arbeitete er an der historischen Aufarbeitung. Hierfür suchte er in seiner Freizeit Archive in Oldenburg, Osnabrück, Münster, Dinklage und Vechta auf. Herausgekommen ist eine detaillierte Lebensbeschreibung, die nun als Buch in der Schriftenreihe „Oldenburger Forschungen“ des Oldenburger Landesvereins erschienen ist. Am Mittwoch stellte er seine Arbeit im Saal des Alten Rathauses in Vechta erstmals der Öffentlichkeit vor.
„Als ich von dem Arzt jüdischer Herkunft erfahren habe, bin ich neugierig geworden“, erzählt Sieve den Gästen im vollbesetzten Raum. „Jacobi war vier Jahrzehnte lang für die ärztliche Versorgung des Amtes Vechta zuständig und insofern der direkte Amtsvorgänger des heutigen Leiters des Gesundheitsamtes. Außerdem hat er durch eine Stiftung die Schulbildung der Kinder in Dinklage und in Quakenbrück erheblich gefördert.“ Dennoch habe ihn kaum ein Autor in der Geschichtsschreibung des Oldenburger Münsterlandes namentlich erwähnt, berichtet Sieve. Einer der wertvollsten Funde bei den Recherchen sei ein eigenhändiger Bericht Jacobis in lateinischer Sprache über die Umstände seiner Konversion vom Judentum zum katholischen Glauben gewesen.
Von führenden Persönlichkeiten gefördert, konnte Jacobi in Groningen und Wien Medizin studieren und in Erlangen promovieren. 1772 erhielt er die Stelle eines Amtsmedicus in Vechta. Zu Beginn seiner Berufstätigkeit war er dort der einzige akademisch ausgebildete Arzt. Verheiratet mit einer Adelstochter aus dem Oberstift Münster, brachte er es zu großem beruflichen Ansehen und starb als einer der wohlhabendsten Bürger des Amtes Vechta, skizzierte Sieve die Lebensstationen.
Die aus weit versprengten Quellen zusammengetragenen Bausteine ergäben zwar kein vollständig geschlossenes Bild, so Sieve, sie gewährten jedoch viele Einblicke in die Geschichte des Fürstbistums Münster und seien zugleich ein wertvoller Beitrag zur Medizingeschichte des Amtes Vechta.
Buchangaben
Titel: Dr. Franz Joseph Jacobi – ein Amtsmedicus jüdischer Herkunft im Fürstbistum Münster
Reihe: Oldenburger Forschungen, Band 29
Verlag: Isensee Verlag, Oldenburg
Umfang: 160 Seiten, 35 Abbildungen
Preis: 16,00 Euro
Quelle: Oldenburger Volkszeitung