Oldenburger Jahrbuch 2013 erschienen Themen von unvorhergesehener Aktualität
Die Beiträge beschäftigen sich nicht nur mit Kunstgeschichte. Die Bandbreite reicht von Archäologie bis zum Grünkohl.
von Jürgen Herold

Da überlegt der Herausgeber des Oldenburger Jahrbuchs lang und breit, mit was für einer Abbildung er den Einband des Jahrbuchs schmücken soll, und entscheidet sich für ein Bild des Augusteums, gebaut als Heimstatt der großherzoglichen Gemäldegalerie. Das Bild nimmt Bezug auf einen Beitrag, der sich mit dem Schicksal der großherzoglichen Bildersammlung nach dem Ersten Weltkrieg befasst.
Weder die Verfasserin des Beitrags noch der Herausgeber des Jahrbuchs konnten wissen, dass sie in eine hochaktuelle Diskussion hineinstoßen würden, die um die Fragen von Legalität und Legitimität der Veräußerung von Bildbesitz kreist. Denn darum geht es zurzeit in Bezug auf die Gurlitt-Sammlung. Darum ging es auch in den Jahren nach 1919, als der inzwischen ehemalige Großherzog die beachtlichsten Teile seiner Gemäldesammlung zu Geld machte eines der Themen des diesjährigen Jahrbuchs.
Aktualität kann auch ein zweiter kunstgeschichtlicher Beitrag für sich reklamieren, denn die Ausführungen zum Briefwechsel zwischen Walter Müller-Wulckow, dem Gründer und langjährigen Leiter des Landesmuseums Oldenburg, und Gerhard Wietek, dem ehemaligen Kustos und nachmaligen Landesmuseumsdirektor in Schleswig-Holstein, lesen sich in Teilen wie ein Kommentar zur derzeit im Schloss gezeigten Ausstellung Neue Baukunst.
In der Sektion Archäologie findet sich der Tätigkeitsbericht des Oldenburger Zweigs der Landesdenkmalpflege und ein Beitrag über einen Gegenstand, den der Laie nicht spontan den Aufgaben der Archäologie zuordnet: Gesichert werden sollten die Spuren eines KZ-Außenlagers in Wilhelmshaven.
Die Sektion Naturkunde ist 2013 etwas kurz geraten, widmet sich dafür aber einem Thema, dem es im Oldenburgischen nie an Brisanz gebricht: dem Vergleich verschiedener Sorten des Grünkohls. Die Verfasser sind Biologen und untersuchen die Grünkohlsorten auch unter biologisch relevanten Gesichtspunkten wie Samenvitalität, Wuchsgeschwindigkeit, Trockenheitsresistenz und Ergiebigkeit. Offen bleibt die den Normal-Oldenburger brennend interessierende Frage, ob sich denn auch eine geschmackliche Differenzierung ergibt.
Die Abteilung Geschichte umfasst sechs Beiträge, die die Spanne vom 16. bis zum 20. Jahrhundert abdecken. Über einen Zeitraum von 300 Jahren wird etwa die Finanzierung einer dörflichen Kirchengemeinde verfolgt (Ein Einkünfteverzeichnis der Lastruper Kirche von 1519). Die demografische und wirtschaftliche Situation von Stadt und Amt Cloppenburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird unter dem Titel Ackerbau Strumpfstrickerei Schifffahrt dargestellt.
In ganz anderer Form spielen Landwirtschaft und Schifffahrt in zwei weiteren Aufsätzen eine Rolle: Von Dora Garbade und der Landfrauenbewegung im Oldenburger Land handelt der eine, mit der Geschichte des Seeamts Brake befasst sich der andere. Entwirrung hat sich ein Beitrag über den Wappenschmuck zweier Grabplatten in der Oldenburger Lambertikirche zum Ziel gesetzt, deren Wappenprogramme keiner Regel folgen.
Mit einem nach heutigen Kriterien spektakulären Fall von Kindesentziehung befasst sich der Aufsatz über das Dammer Kind, ein Mädchen, das 1861 verschwand und erst 1871 wieder auftauchte. Die Oldenburgische Bibliographie 2012 rundet das Jahrbuch 2013 ab.
Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg