Medienberichte ab 2010

Oldenburger Jahrbuch: Verein präsentiert aktuelles Werk – Geschichten von Schortens bis Vechta

Landesgeschichte, Archäologie oder Naturkunde – im Jahrbuch wird Historie begreifbar und lesbar

Von Jürgen Herold und Tonia Hysky – Quelle: Nordwest-Zeitung

Schlossabend mit Prof. Paul Kirchhof „Bürger und Medien in einer aufgeregten Gesellschaft“ Mit Dr. Dirk Dunkhase Richterbund Jürgen L. Herr Oldenburger ANwalts und Notarverein Kirchhof und Pfr. i. R Reinhard Rittner OL Landesverein

Experten für Geschichte, Archäologie und Naturkunde haben das neue Jahrbuch des Oldenburger Landesvereins für Geschichte, Natur- und Heimatkunde inhaltlich begleitet.

Ein Buch, das sich viel vorgenommen hat: Das Oldenburger Jahrbuch 2017 deckt räumlich den Bereich zwischen Schortens im Jeverland und Steinfeld im Kreis Vechta ab, unternimmt aber auch Ausflüge nach Italien und bis in den pazifischen Raum. Seit 1892 wird das Jahrbuch vom Oldenburger Landesverein für Geschichte, Natur- und Heimatkunde herausgegeben.

Historische Themen dominieren den Band, doch es gibt zahlreiche Bezüge zur Gegenwart. Im Beitrag über die Arbeitsmigration im Delmenhorst des späten 19. Jahrhunderts schildert Franz-Reinhard Ruppert beispielsweise, wie die junge Industrie mit dem Bau der Norddeutschen Wollkämmerei und Garnspinnerei im Jahr 1884 auf Zuwanderer angewiesen war.

Ohne Migration, so der Autor, gäbe es Delmenhorst in seiner heutigen Form nicht. Mit Fernwanderern aus Böhmen herrschte plötzlich „Leben und Betriebsamkeit in der sonst so ruhigen Stadt“. Zugleich traf die protestantisch geprägte Bevölkerung Delmenhorsts auf ausnahmslos katholische Zuwanderer. Später kamen auch Arbeitskräfte aus Oberschlesien hinzu.


Der „letzte Jude von Oldenburg“

Besonders eindringlich ist die Geschichte des Friseurs Arnold Spitzer, bekannt als „der letzte Jude von Oldenburg“. Am 2. November 1940 musste er seinen Salon an der Donnerschweer Straße schließen. Er war der letzte Gewerbetreibende der Stadt, der aufgrund der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ zur Aufgabe gezwungen wurde. Elias Angele zeichnet nicht nur Spitzers Schicksal während der NS-Zeit nach, sondern auch den Umgang damit nach 1945.


Zwischen Ausdruckstanz, Kolonialgeschichte und Segelregatten

Weitere Beiträge widmen sich dem Ausdruckstanz, der in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren in Oldenburg auf den Bühnen zu sehen war. Steven Heimlich und Björn Almendinger unternehmen eine „postkoloniale Spurensuche in Delmenhorst“ und beschäftigen sich mit dem sogenannten Kolonialforscherviertel in Annenheide.

Kurios mutet die kurze Geschichte bäuerlicher Segelregatten auf der Hunte im ausgehenden 19. Jahrhundert an. Die Sieger erhielten damals Preise wie Champagner, Magenbitter, Zigarren oder Pfeifen.


Kunst, Archäologie und Naturkunde

Ein ganz anderes Themenfeld eröffnen Beiträge zu einem Gemälde der Oldenburger Gemäldegalerie („Rebekka und Elieser“), zu einem Gräberfeld bei Schortens, das bemerkenswerte demografische und religionsgeschichtliche Rückschlüsse erlaubt, sowie zu neuen Bodenprofilen aus dem Oldenburger Land, die im Landesmuseum Natur und Mensch zu sehen sind.

Info: Das Jahrbuch ist im Isensee Verlag erschienen, kostet 24,80 Euro und trägt die ISBN 978-3-7308-1384-3.