Medienberichte ab 2010

Lehrjahre eines Großherzogs

Neues Buch über Paul Friedrich August

Von Lars Ruhsam – Quelle: Huntereport

Vieles ist bekannt über Erbprinz Paul Friedrich August, der 1829 seinem Vater Peter Friedrich Ludwig als Oldenburger Regent nachfolgte. Seine Jugend zum Beispiel oder seine Zeit an der Spitze des Großherzogtums. Und dazwischen? 1811 ging er mit seinem Vater ins russische Exil, 1816 kehrte er nach Oldenburg zurück. Dieser Zeit im Zarenreich widmet sich ein neues Buch des Oldenburger Historikers Dr. Bernd Müller.

Für die Publikation „Erbprinz Paul Friedrich August von Holstein-Oldenburg in Russland 1811–1816. Exil und Aufhebung der Leibeigenschaft in Estland“ wertete Müller zahlreiche Akten im Oldenburger Staatsarchiv aus. Da diese – wie zu jener Zeit üblich – in französischer Sprache verfasst waren und einen bislang kaum beachteten Zeitraum behandelten, schließt die Arbeit des Brigadegenerals a. D., der erst nach seiner Pensionierung ein Geschichtsstudium mit Promotion absolvierte, eine Forschungslücke.

„Für Paul Friedrich August ist diese Zeit eine Phase der Reife und Bewährung, die er als Chance begriffen und genutzt hat“, sagt Professor Dr. Rudolf Holbach, Vorstandsmitglied des Oldenburger Landesvereins für Geschichte, Natur- und Heimatkunde. Auch das Verhältnis zwischen Vater Peter Friedrich Ludwig und seinem ältesten Sohn werde im Buch differenziert beleuchtet.


Exil, Militärdienst und politische Erfahrungen

Im russischen Exil erhält Paul Friedrich August, den sein Vater häufig „Gustl“ nennt, den Titel eines Generalleutnants der russischen Armee und wird zudem Generalgouverneur von Estland. Beides war nach Müllers Einschätzung für ausländische Prinzen durchaus üblich, auch wenn zunächst keine umfassenden Aufgaben erwartet wurden.

Mit Beginn des Russlandfeldzuges Napoleons 1812 wird Paul Friedrich August in das Hauptquartier der Westarmee versetzt und fungiert dort „als eine Art Edelmelder“ (Müller). Auch ohne klar umrissene Zuständigkeiten machte er sich nützlich, unter anderem als Beobachter und Berichterstatter für Zar Alexander.

Später begleitet er den Zaren nach Paris und London, unter anderem im Vorfeld des Wiener Kongresses. Paul Friedrich August nutzt diese Jahre, um Erfahrungen zu sammeln und politische Einblicke zu gewinnen – obwohl er dies seiner Stellung nach nicht hätte tun müssen.


Agrarreform in Estland

Nach einer kurzen Rückkehr nach Oldenburg reist er erneut nach Reval (heute Tallinn). Dort übernimmt er im Auftrag des Zaren die Ausarbeitung einer Agrarreform für Estland, einschließlich der Aufhebung der Leibeigenschaft.

„Eigentlich war alles Wesentliche bereits zwischen Zar Alexander und dem Adel ausgehandelt. Dennoch arbeitete Paul Friedrich August den Entwurf intensiv durch und änderte rund 400 Paragraphen“, berichtet Müller.

Erst nachdem Zar Alexander die Reform gebilligt und in Kraft gesetzt hatte, kehrte Paul Friedrich August endgültig nach Oldenburg zurück.


Lehrjahre eines späteren Großherzogs

Damit endet das Buch. „Es sind die Lehrjahre und die Zeit der Emanzipation vom Vater, die diese Phase im Leben von Paul Friedrich August kennzeichnen. Bernd Müller hat sie sachlich, kritisch und scharfsinnig analysiert, ohne die notwendige Empathie für den Protagonisten zu vernachlässigen“, betont Rudolf Holbach.

Das rund 90 Seiten umfassende Werk ermöglicht einen differenzierten Blick auf die Persönlichkeitsentwicklung und das politische Wirken des späteren Großherzogs.


Publikationshinweis

Das Buch ist als Band 31 der Reihe „Oldenburger Forschungen – Neue Folge“, herausgegeben im Auftrag des Oldenburger Landesvereins, im Isensee Verlag Oldenburg erschienen und im Buchhandel erhältlich.

Weitere Informationen zur Reihe unter: www.oldenburger-landesverein.de