Oldenburger Historiker und Buchautor Bernd Müller hat bislang unbearbeitete Quellen erforscht
Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch – Foto: Zempel-Bley
Dr. Bernd Müller (rechts) stellte mit Prof. Dr. Rudolf Holbach und Caroline, königliche Hoheit von Oldenburg, sein neues Buch vor.
Erneut hat der Oldenburger Historiker Dr. Bernd Müller ein weiteres Buch über das Haus Oldenburg vorgelegt. In seinem jüngst vorgestellten Werk „Erbprinz Paul Friedrich August von Holstein-Oldenburg in Russland 1811–1816“ befasst er sich mit den Tätigkeiten des Erbprinzen während seines Russlandaufenthaltes.
„Ein Thema, das bislang in der Forschung noch keine Beachtung gefunden hat“, sagt Prof. Dr. Rudolf Holbach vom Oldenburger Landesverein, der das Buch herausgegeben hat. Dabei sei die Quellenlage ausgesprochen gut. Die Untersuchung basiert auf der wissenschaftlichen Auswertung von Originalquellen aus den Jahren 1811 bis 1813, die vor allem im Niedersächsischen Staatsarchiv Oldenburg vorliegen – allerdings in französischer Sprache.
Ein ungewöhnlicher Werdegang
Bernd Müller blickt auf einen besonderen beruflichen Weg zurück. Der heute 72-Jährige brachte es in seiner militärischen Laufbahn bis zum Brigadegeneral. Nach seiner Pensionierung nahm er unmittelbar ein Geschichtsstudium an der Universität Oldenburg auf, erwarb den Magister und promovierte anschließend.
„Ich suchte ein Thema, womit sich noch niemand befasst hat“, berichtet Müller. Im Staatsarchiv wurden ihm zunächst Militärakten angeboten – doch davon hatte er, wie er sagt, genug. Stattdessen stieß er auf bislang unbearbeitetes Material zum Haus Oldenburg. Hier fand er sein Forschungsthema.
Nach seiner Promotion forschte Müller weiter und ist heute Lehrbeauftragter für Geschichte an der Universität Oldenburg.
Der Erbprinz im russischen Exil
Über Erbprinz Paul Friedrich August existiert bis heute keine umfassende Biografie, obwohl im Oldenburger Staatsarchiv persönliche Akten aus Russland und umfangreiche Korrespondenzen mit seinem Vater, Herzog Peter Friedrich Ludwig, erhalten sind. Diese Quellen lagen bislang weitgehend unbeachtet vor – nicht zuletzt wegen ihrer französischen Sprache, die Müller beherrscht.
Paul Friedrich August folgte während der französischen Annexion des Oldenburger Landes seinem Vater ins russische Exil. Dort wirkte er im russischen Hauptquartier als Generalleutnant bis zur Verbannung Napoleons. Nach einer kurzen Rückkehr zum Wiederaufbau des Herzogtums Oldenburg ging er erneut nach Russland.
Zar Alexander I. berief ihn zum Generalgouverneur von Estland. In dieser Funktion setzte Paul Friedrich August eine Agrarreform um, die die Aufhebung der Leibeigenschaft estländischer Bauern vorbereitete.
„Die erhaltene Korrespondenz und weitere Archivalien erlaubten mir eine Rekonstruktion dieses Geschichtsabschnitts und ermöglichen einen Blick auf die Entwicklung der Persönlichkeit und des Wirkens von Paul Friedrich August“, erklärt Müller.
Lehrjahre und Emanzipation
Der Erbprinz erlebte in Russland eine Phase der Reifung und Selbstfindung. Müller beschreibt ihn als „gutmütigen Herrn, der sich in Russland nützlich machte, aber nicht wirklich eine Rolle spielte“. Zugleich sei diese Zeit entscheidend für seine Emanzipation vom Vater gewesen.
Das Buch schließt damit eine Lücke in der Historiografie zum Haus Oldenburg. Und es wird nicht Müllers letztes Werk bleiben. Die Quellenlage sei gut, betont der Historiker, und fügt hinzu: „Ich will meine Finger auf Papier legen, das damals beschrieben wurde.“ Wann sein nächstes Buch erscheint, ist offen – dass es kommt, daran lässt er keinen Zweifel.