Medienberichte ab 2010

Artikel zum Schlossvortrag mit Prof. Dr. Mamoun Fansa

Krieg zerstört Weltkulturerbe in Syrien – Prof. Dr. Mamoun Fansa sprach im Oldenburger Schloss

Von Reinhard Rittner – leicht gekürzt veröffentlicht in der NWZ-Stadtausgabe am 14.05.2016

Am Ende waren alle Plätze besetzt. Prof. Dr. Mamoun Fansa, bis 2011 Direktor des Landesmuseums Natur und Mensch, lockte am Donnerstag, 12. Mai, eine große Zuhörerschaft in den Saal des Oldenburger Schlosses. Der Oldenburger Landesverein für Geschichte, Natur- und Heimatkunde hatte den ehemaligen Fachherausgeber des Oldenburger Jahrbuchs eingeladen. Angesichts der anhaltenden militärischen Konflikte im Nahen Osten bot es sich an, den in Aleppo geborenen Archäologen und Kunsthistoriker an seine frühere Wirkungsstätte zu bitten.

Der Vortrag stand unter dem Titel „Krieg zerstört Weltkulturerbe in Syrien“. Die tiefe Betroffenheit des Referenten über die Verwüstungen in seiner Heimat wurde spürbar, als er Vorkriegsaufnahmen aktuellen Bildern der Zerstörung gegenüberstellte. Syrien, so zitierte Fansa einen französischen Beobachter vor rund 100 Jahren, sei ein „Freilichtmuseum“ – ein Land mit griechischen, römischen und arabischen Kulturelementen, die eine Siedlungskontinuität vom 3. Jahrtausend vor Christus bis in die Gegenwart dokumentieren.

Überall stößt man dort auf Bodenarchive, die entschlüsselt werden wollen. Kulturerbe vergegenwärtigt Geschichte und stiftet Identität. Und wenn ein so kundiger und engagierter Fachmann referiert, konnte einem angesichts der Bilder nachgerade nach einem Requiem zumute sein. Allein die statistischen Befunde der letzten Jahre sind erschütternd: rund 470.000 Tote, 900.000 Verletzte, elf Millionen Menschen auf der Flucht – bis in unser Land hinein, wie anwesende Gäste aus Syrien berichteten.

Der Nahe Osten ist heute Kampfplatz unterschiedlichster Kriegsparteien und terroristischer Organisationen. Arabische Akteure, Iran, der sogenannte „Islamische Staat“, Hisbollah, Kämpfer aus dem Irak und Afghanistan mischen ihre Interessen in einem Stellvertreterkrieg. Religion dient dabei häufig nur als Etikett. Auch Russland verfolgt eigene militärische Ziele. Die Vereinten Nationen sind gefordert, ebenso die UNESCO, um Weltkulturerbestätten zu sichern.

Der Referent, heute in Berlin tätig, vermittelte trotz aller Zerstörung Ideen, Elan und Tatkraft. Er berichtete von seiner Bereitschaft, sich am Wiederaufbau zu beteiligen, um Wissen und kulturelle Substanz zu bewahren. In Berlin gründete er den „Verein der Freunde der Altstadt von Aleppo“, hält Kontakt zum Auswärtigen Amt und zu internationalen Einrichtungen, die sich der Rettung des Weltkulturerbes widmen.

Ziel sei es, Ursachen und Ausmaß der Zerstörungen festzuhalten, um auch Verantwortlichkeiten klären zu können – bis hin zum Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Das sei schwierig, da Politik und Propaganda Spuren verwischten. Doch es gehe um Kultur und Humanität, denen er, so Fansa, „bis zum letzten Atemzug dienen“ wolle. Dafür dankten ihm die Zuhörer mit lang anhaltendem Applaus.