Politik und Kultur in China
von Norbert Wahn – Quelle: NWZOnline
Im Interview: Dr. Cord Eberspächer
Dr. Cord Eberspächer ist Historiker und Sinologe. Er hat unter anderem in Oldenburg studiert. Auf Einladung des Oldenburger Landesvereins spricht er am Donnerstag, 5. März, um 20 Uhr im Oldenburger Schloss über Politik und Kultur in China.
Frage: Herr Eberspächer, die größer werdende Rolle Chinas in Wirtschaft und Weltpolitik nehmen in Deutschland und Europa viele eher mit Sorge wahr. Ist es richtig, die Entwicklung Chinas primär als Bedrohung zu sehen?
Eberspächer: Wohl kaum. Es ist richtig, dass China als neuer Akteur das vertraute Koordinatensystem durcheinanderbringt. Aber mit welchem Recht sollte der Westen Staaten wie China ihr Recht auf Entwicklung und Wohlstand verwehren? Bedrohungsszenarien mit Bezug auf China sind meistens von Ängsten und Unkenntnis geprägt.
Frage: In Ihrem Vortrag möchten Sie Bezüge von Geschichte und Gegenwart Chinas herstellen. Maos Kommunismus und die Epoche des chinesischen Kaiserreichs – wie bringt man diese Gegensätze heute in China zusammen?
Eberspächer: Politisch war das nie ein richtiger Gegensatz. Die chinesische Republik wie auch das kommunistische China haben an das Staatsgebiet und in vieler Hinsicht auch an die Außenpolitik des Kaiserreichs angeknüpft.
Frage: Welche Chancen bietet eine Intensivierung der Beziehungen zu China auch für die Region um Oldenburg?
Eberspächer: Von den Chancen der wirtschaftlichen Verbindungen mit China können und sollten auch Oldenburg und seine Region profitieren. Für Nordrhein-Westfalen ist China inzwischen der zweitwichtigste Handelspartner nach den Niederlanden. Natürlich darf man nicht darauf warten, dass chinesische Firmen von selbst kommen, man muss sie überzeugen. Aber dafür gibt es im Nordwesten gute Argumente.
Frage: Als gebürtiger Oldenburger sind Sie auch mit der hiesigen Regionalgeschichte vertraut. Gab es in der Vergangenheit bemerkenswerte Berührungen zwischen dem Land Oldenburg und dem Reich der Mitte?
Eberspächer: Die oldenburgische Schifffahrt gehörte in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu den Pionieren im Chinahandel, gleich nach den Hansestädten Bremen und Hamburg. Das Großherzogtum Oldenburg unterhielt Konsulate in Hongkong, Kanton und Shanghai – und als 1856 die Besatzung der oldenburgischen Bark „Texas“ an der Küste Chinas bis aufs Hemd ausgeplündert wurde, reichten die diplomatischen Folgen bis nach Berlin und London.