Medienberichte ab 2010

Der Vechtaer Amtsmedicus Dr. F.J. Jacobi

Neue Veröffentlichung des Oldenburger Landesvereins zur Medizingeschichte

Von Matthias Struck

Die jüngste Veröffentlichung des Oldenburger Landesvereins leistet einen interessanten Beitrag zur Medizin- und zur Konvertitengeschichte unserer Region. Peter Sieve hat das Leben und Wirken des verdienstreichen, aber vergessenen Vechtaer Amtsmedicus Dr. Franz Joseph Jacobi (1734–1816) aus verstreuten Quellen anschaulich nachgezeichnet.

Jacobi wurde (laut Sterberegister) 1734 als Sohn eines jüdischen Wanderlehrers in Polen geboren, kam mit seinem Vater nach Potsdam, konvertierte 1756 in Münster zum Katholizismus, erfreute sich der Förderung durch führende Persönlichkeiten des Bistums Münster, studierte Medizin in Groningen und Wien und wurde 1771 in Erlangen promoviert.

Seit 1772 war er Amtsmedicus des münsterschen bzw. seit 1803 oldenburgischen Amtes Vechta, wo ihm das öffentliche Gesundheitswesen unterstand und er die Pocken und andere Infektionskrankheiten bekämpfte. Er heiratete 1785 die westfälische Adelstochter Therese von Schilling (1752–1813), erwarb 1788 einen adelig freien Burgmannshof in Vechta und wurde einer der wohlhabendsten Bürger im Amt Vechta.

Als er 1816 verwitwet und kinderlos starb, vermachte er den Großteil seines Vermögens (nach Abzug der Legate etwa 20.000 Reichstaler) einer Stiftung zugunsten der öffentlichen Schulen in Dinklage und Quakenbrück (Jacobischer Schulfonds). Seine Beisetzung sollte „nur ganz bürgerlich ohne Gepränge“ erfolgen, alle ungedruckten Schriften seines Nachlasses sollten verbrannt werden, verfügte er.

Trotz seiner Verdienste um eine Modernisierung der Gesundheitsvorsorge und um die Schulbildung geriet Jacobi – wohl auch mangels Familienangehöriger – bald in Vergessenheit, und die schwindende mündliche Erinnerung an ihn wurde legendenhaft überformt. Mit dieser Veröffentlichung ist es Peter Sieve gelungen, ein sehr anschauliches Bild von Dr. Jacobis Person und seiner Zeit zu vermitteln, das auch durch quellenbedingte Lücken keinesfalls geschmälert wird.

Jacobis Lebensgeschichte fügt sich dabei geradezu mustergültig in den Umbruch von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft und von der Feudal- zur Kapitalwirtschaft ein, stellt Peter Sieve treffend fest.


Buchangaben

Peter Sieve: Dr. Franz Joseph Jacobi. Ein Amtsmedicus jüdischer Herkunft im Fürstbistum Münster. Zugleich ein Beitrag zur Medizingeschichte des Amtes Vechta
Reihe: Oldenburger Forschungen, Neue Folge, Band 29
Verlag: Isensee Verlag, Oldenburg 2014
Umfang: 160 Seiten, Abbildungen
ISBN: 978-3-7308-1068-2
Preis: 16,00 Euro

Quelle: NWZ Nr. 190, Nordwest-Heimat, 16.08.2014, S. 4