Medienberichte ab 2010

Er war der Medicus von Vechta

Dr. Franz Joseph Jacobi und seine Beziehungen zu Quakenbrück

Von Heiko Bockstiegel

QUAKENBRÜCK. Er war der „Medicus von Vechta“, ist jedoch durch die Stiftung des „Jacobi-Schulfonds“ auch in die Quakenbrücker Geschichte eingegangen, weil er in erheblichem Maß die Schulbildung der hiesigen Kinder beider Konfessionen förderte: Die Rede ist von Amtsarzt Dr. Franz Joseph Jacobi (1734–1816), einem der ersten akademisch ausgebildeten Mediziner der Region, von dem Peter Sieve, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bischöflich-Münsterschen Offizialatsarchiv Vechta, jetzt eine detaillierte, höchst lebendige und spannende Lebensbeschreibung veröffentlicht hat.

Das Realgymnasium Quakenbrück ging aus der Lateinschule hervor. Aus dem Jacobi-Schulfonds flossen ihm Gelder zu.

Die als Band 29 in der Reihe „Oldenburger Forschungen – Neue Folge“ des Oldenburger Landesvereins unter dem Titel „Dr. Franz Joseph Jacobi – ein Amtsmedicus jüdischer Herkunft im Fürstbistum Münster“ publizierte Biografie ist lesenswert. Fast zehn Jahre lang hat Peter Sieve in zahlreichen Archiven geforscht, weit verstreute Quellen ausgewertet und an seinem Werk gearbeitet. Herausgekommen ist schließlich eine spannende Medizin- und Sozialgeschichte um 1800 und die Lebensbeschreibung des in Polen als Sohn jüdischer Eltern geborenen und später zum katholischen Christentum übergetretenen Vechtaer Amtsarztes.

Dr. Franz Joseph Jacobi ist in der Geschichte vor allem durch sein vier Jahrzehnte währendes Wirken als Hauptverantwortlicher für die ärztliche Versorgung des Amtes Vechta und sein sozial-wohltätiges Engagement zugunsten der Bewohner des Oldenburger Münsterlandes und darüber hinaus bekannt geworden.

Vieles in Jacobis Leben verlief ungewöhnlich, so beispielsweise seine Eheschließung mit einer Adelstochter – zumal als Beamter und getaufter Jude. Als Sohn eines armen jüdischen Schriftgelehrten und Lehrers kam er nach Deutschland, studierte in Groningen und Wien Medizin und legte schließlich an der Universität Erlangen seine Dissertation über Hautkrankheiten ab.

Auch die evangelische Volksschule in Quakenbrück – hier eine Mädchenklasse – wurde von der Stiftung bedacht.

1771 erhielt er dank guter Kontakte zur Familie von Galen die Stelle eines Amtsphysicus beziehungsweise Amtsmedicus in Vechta – übrigens als einziger akademisch gebildeter Mediziner im gesamten Amtsbezirk mit einer Verantwortung für rund 22.000 Menschen. Schwerpunkte seiner Arbeit waren neben der Behandlung von Kranken die Tätigkeit als Gerichtsmediziner sowie die Bekämpfung von Epidemien.

Jacobis Bedeutung für Quakenbrück

Was bedeutete nun Dr. Franz Joseph Jacobis Wirken für Quakenbrück? Der wichtigste Aspekt: Als er 1816 als einer der wohlhabendsten Einwohner und einer der wichtigsten landesherrlichen Beamten des Amtes Vechta starb, floss gemäß seinem Testament der Großteil seines Vermögens in eine Stiftung zugunsten der öffentlichen Schulen in Dinklage und der „Schulen lutherischer und katholischer Confession zu Quakenbrück, Fürstenthum Osnabrück“.

Jacobi wollte seine Stiftung, in der Quakenbrücker Geschichte bekannt als „Jacobi-Schulfonds“, als Beitrag „zum Ruhm und zur Ehre Gottes sowie zum Heil und Nutzen des Nächsten nebst der Mehrung der christlichen Religion“ verstanden wissen. Zu Testamentsvollstreckern („Executoren“) bestimmte er unter anderem den Quakenbrücker Kaufmann Johann Friedrich Heye „und wenn dieser nicht kann den Weinhändler Schröder in Quakenbrück“.

Warum Jacobi gerade Quakenbrück und nicht seinen Hauptwirkungskreis Vechta so reichhaltig bedachte, kann nur vermutet werden. Die Chronik der katholischen Volksschule führt dies auf eine enge Beziehung Jacobis zu Quakenbrück wegen angeblicher ärztlicher Tätigkeit dort zurück, was jedoch angezweifelt wird. Es folgten jedenfalls jahrelange Rechtsstreitigkeiten bezüglich der Aufteilung der Stiftungsgelder, zumal es in Quakenbrück seinerzeit drei evangelische Schulen (Jungen- und Mädchenschule, Lateinschule) gab und nicht – wie Jacobi annahm – nur eine.

Die Differenzen endeten erst rund 30 Jahre später, als im Jahr 1843 „jeweils 4.380 Reichstaler 60 Grote Courant“ auf die katholische sowie die drei lutherischen Schulen in Quakenbrück verteilt wurden.


Buchangaben

Peter Sieve: Dr. Franz Joseph Jacobi – ein Amtsmedicus jüdischer Herkunft im Fürstbistum Münster
Verlag: Isensee Verlag, Oldenburg
Umfang: 160 Seiten, 35 Abbildungen
Preis: 16,00 Euro