
Vortrag im Oldenburger Schloss: Dr. Bernd Müller über russisch-oldenburgische Beziehungen
Dr. Bernd Müller (69) war 40 Jahre bei der Bundeswehr tätig, unter anderem als Kommandeur der Oldenburgischen Luftlandebrigade 31. Danach studierte er Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Oldenburg und wurde mit einer Dissertation über die Außenpolitik Peter Friedrich Ludwigs (1785–1829) promoviert.
Er spricht auf Einladung des Oldenburger Landesvereins und des Oldenburgisch-Russischen Fördervereins am Donnerstag, 20. Februar 2014, im Oldenburger Schloss über die russisch-oldenburgischen Beziehungen unter Herzog Peter Friedrich Ludwig. Beginn ist um 20 Uhr.
Neben Graf Anton Günther ist Herzog Peter Friedrich Ludwig die zweite Symbolgestalt der oldenburgischen Geschichte. Die Oldenburger kennen sein Standbild auf dem Schlossplatz. Hier erscheint er als betont bescheidener und wenig strenger Landesvater – mehr ein oberster Beamter als ein prunkvoll auftretender Herrscher. Was für ein Bild haben Sie nach Ihren Archivrecherchen vom Menschen und Herrscher Peter Friedrich Ludwig gewonnen?
Dr. Bernd Müller: Peter Friedrich Ludwig sah sich als sparsamen und wohlwollenden Hausvater seines Landes. Er wollte persönlich ein Vorbild sein und war sehr auf das Wohl seiner Untertanen bedacht – sehr erfolgreich im Übrigen. Gleichwohl war er als absolutistischer Fürst ausgesprochen patriarchalisch und hatte kein Verständnis für Widerspruch oder das Beharren auf einer eigenen Meinung.
In diesen Tagen erscheint Russland vielen Deutschen eher als fremder Riese im fernen Osten. Peter Friedrich Ludwig verdankte seine Erziehung der Fürsorge seiner berühmten Cousine: der russischen Zarin Katharina der Großen. Wie nah waren sich Oldenburg und Russland zur Zeit des Herzogs?
Dr. Bernd Müller: Seit Peter III. waren die Zaren die dynastischen Chefs des Hauses Holstein-Gottorp. Russland hatte Oldenburg von Dänemark eingetauscht, um seinen Einfluss in Deutschland zu erhalten. Peter Friedrich Ludwig lehnte sich außenpolitisch eng an seine Schutzmacht Russland an, wodurch es ihm gelang, seine Territorien fast auf das Doppelte zu erweitern. Russland sicherte dem späteren Großherzogtum Oldenburg durch alle Wirren der napoleonischen Kriege hindurch seine Existenz bis in den Deutschen Bund. Innenpolitisch gab es jedoch kaum Verbindungen.
Sie bezeichnen Peter Friedrich Ludwig in Ihrer Doktorarbeit als „mindermächtigen Fürsten“, weil seine finanziellen, politischen und militärischen Möglichkeiten beschränkt waren. Dennoch betrieb der Herzog mit zum Teil erheblichem Aufwand eine eigene Außenpolitik. Was waren seine Ziele – und war er damit erfolgreich?
Dr. Bernd Müller: Die Bezeichnung „mindermächtiger Fürst“ war im Alten Reich sehr geläufig, sie zeigte das Machtgefälle zu den großen und mittleren Staaten im damaligen Deutschland an. Peter war seit 1806 ein souveräner Fürst und hatte gar keine andere Wahl, als Außenpolitik zu betreiben. Seine Außenpolitik sollte seine drei Staaten – das Herzogtum Oldenburg sowie die Fürstentümer Lübeck und Birkenfeld – nach außen absichern, vor allem über seine Schutzmacht Russland, und ihnen eine ungestörte und wirtschaftlich erfolgreiche Entwicklung ermöglichen. Das ist ihm gut gelungen.
Bis zur Februarrevolution von 1917 regierte das Haus Romanow-Holstein-Gottorp. Damit entstammten die Herrscher Russlands und Oldenburgs derselben Familie. Konnten die Großherzöge auch nach Peter Friedrich Ludwig aus der engen Verwandtschaft politische Vorteile gewinnen?
Dr. Bernd Müller: Die Bedeutung Russlands für Oldenburg ging nach der Gründung des Deutschen Bundes 1815 stark zurück. Österreich, Preußen und auch Hannover wurden wichtiger, weil die Sicherheit Oldenburgs nicht mehr gefährdet war und die Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands überragende Bedeutung erlangte.
Die Fragen stellte Torben Koopmann.