Neues Jahrbuch des Oldenburger Landesvereins
Zahlreiche Aufsätze und eine reichhaltige Bebilderung zeichnen das Werk aus. Es ist bereits Band 112 der Reihe.
Von Jürgen Herold
Oldenburg – Wer das Jahrbuch 2012 des Oldenburger Landesvereins zur Hand nimmt, mag darüber staunen, dass den Einband ein Bild des Bundespräsidenten Gauck ziert, dessen Konterfei nicht so recht zum gleichfalls auf dem Einband dargelegten Programm des Jahrbuchs passen will: „Geschichte, Kunstgeschichte, Archäologie, Naturkunde, Bibliographie“.
Das Programm stellt eine Erweiterung gegenüber früheren Ausgaben des Jahrbuchs dar: „Kunstgeschichte“ und „Bibliographie“ waren früher nicht als eigenständige Sektionen genannt. Im aktuellen Jahrbuch umfasst die Sektion „Kunstgeschichte“ gleich vier Beiträge. Eine ausführliche Darstellung gilt der Geschichte der Staatlichen Galerie Neuerer Malerei und den Kontroversen, die sich mit der Einrichtung dieser Galerie verbanden – auf diesen Beitrag bezieht sich übrigens auch das zweite Einbandbild, das das Gemälde „Birken in Worpswede“ von Fritz Overbeck wiedergibt.
Ein weiterer längerer Beitrag befasst sich mit den Beständen des Landesmuseums Oldenburg, die der Leipziger Schule zugeordnet werden können. In zwei kürzeren Beiträgen wird das Wirken des Oldenburger Kunstsammlers Georg Düser und des Kunsthistorikers Gerhard Wietek gewürdigt. Der Programmankündigung auf dem Titelblatt entspricht, dass auch eine „Oldenburgische Bibliographie“ in gewohnter Akribie zusammengestellt worden ist.
In der Geschichtsabteilung finden sich sieben Aufsätze – das Spektrum reicht von den Verwicklungen, die sich aus der Festsetzung dreier Repräsentanten der Stadt Danzig durch einen Cloppenburger Vogt 1438 ergaben („Die Hanse und der deutsche Nordwesten im 15. Jahrhundert“), über die Hofhaltung des Grafen Anton Günther und die bäuerliche Selbstverwaltung im Unterweserbereich im 17./18. Jahrhundert bis zu den Widersprüchen im Wirken einer Oldenburger Pädagogin („Bertha Ramsauer und die Selbstbildung des Menschen“).
Neben dem allgemeinen Bericht zur archäologischen Denkmalpflege meldet sich die Archäologie mit Beiträgen zu Grabungen auf dem Oldenburger Schlossplatz und der „Umnutzung“ eines jungsteinzeitlichen Großsteingrabes zu Wort.
Besondere Beachtung verdienen Aufsätze der Abteilung „Naturkunde“. Wer die Natur als festes, unveränderliches System zu begreifen neigt, wird in seinen Ansichten erschüttert, wenn er den Beitrag über die Veränderungen im Zug- und Brutverhalten des Kranichs liest – ein Beitrag übrigens, der durch bemerkenswerte Bilder ergänzt wird.
Und wie ist nun Joachim Gauck unter Heuschrecken und Hansestreitigkeiten geraten? Die Auflösung dieses Rätsels findet sich am Ende des Jahrbuchs 2012, wo über einen Vortrag des Noch-nicht-Bundespräsidenten in der Oldenburger Lambertikirche, gehalten auf Einladung des Landesvereins, berichtet wird.
Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg
